Unterirdisch schön

Freitag, 29. Mai 2015

Die Moskauer Metro ist kein Ponyhof. Bei einer Fahrt unter Tage werden alle Sinne aufs Höchste gefordert, bereits der Weg zum Bahnsteig über endlose Rolltreppen und Verbindungsgänge ist eine Aufgabe. Und trotzdem: Die Metro ist das wichtigste und zuverlässigste öffentliche Verkehrsmittel Moskaus. Sie funktioniert trotz der permanenten Überbelastung bis auf wenige Ausnahmen wie ein Uhrwerk: Je nach Tageszeit trifft in jeder der 196 Stationen im Abstand von 120 bis 90 Sekunden ein Zug ein. So werden im Durchschnitt täglich über 7 Millionen Fahrgäste befördert, wochentags sind es sogar über 9 Millionen.
Auf den Bahnsteigen herrscht üblicherweise großer Andrang; eine ausgiebige Würdigung der architektonisch reizvollen Stationen ist daher erst spät abends oder am Wochenende möglich. Die Moskauer Metro ist nämlich nicht nur ein unverzichtbares Verkehrsmittel sondern auch ein einzigartiges Kulturdenkmal. Wo sonst gibt es unterirdische Ballsäle, Skulpturensammlungen oder Museen, durch die permanent Züge rattern?
Baumeister Stalin nämlich hatte sich in den Kopf gesetzt, seinem geliebten Volk die prächtigste U-Bahn der Welt zu schenken. Also beauftragte er bedeutende Architekten und Künstler mit der Gestaltung der Bahnhöfe, wobei so kostbare Materialien wie Marmor, Malachit, Rodonit und sogar Edelsteine Verwendung fanden. Bevor es jedoch so weit war, mussten unter widrigsten Umständen – während des Krieges auch oft ohne Licht – die Tunnel ausgehoben werden. Da die Stationen gleichzeitig als Luftschutzbunker dienten, wurde die Arbeit während der Kriegsjahre nicht unterbrochen. Sogar Frauen mussten ran, wenn keine männlichen Arbeitskräfte zur Verfügung standen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen