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Heute ist: Weltmusiktag
Samstag, 1. Oktober 2016
Heute, zum Internationalen Tag der Musik, möchte ich mit dem Lied Наш Сосед (Nasch sosed: Unser Nachbar) von Edyta Piecha (Эдита Пьеха) alle unsere lieben Nachbarn in Berlin und Moskau herzlich grüßen. Sehen Sie es doch mal so: Durch uns eröffnen sich Ihnen musikalische Welten, die Ihnen sonst für immer verschlossen geblieben wären! Hätten Sie sich zum Beispiel ohne unsere Anleitung jemals ein so großartiges Werk wie dieses angetan angehört? Nein? Bitte, gern geschehen.
Moskau feiert den 869.
Samstag, 10. September 2016
Никита Михалков: Я шагаю по Москве / Nikita Michalkov: Ich laufe durch Moskau
(aus dem gleichnamigen Film von 1964)
(aus dem gleichnamigen Film von 1964)
Moskau feiert heute Geburtstag mit gewohnt viel Tamtam, aber etwas bleibt auch: Nach vierjähriger Bauzeit eröffnete heute der langersehnte S-Bahn-Ring. Den gibt es zwar schon seit über 100 Jahren, aber ab 1934 wurde er nur noch für den Güterverkehr genutzt. Ein großer Fehler! Denn das öffentliche Verkehrsnetz, speziell die Metro, ist sternförmig aufgebaut: Alle Linien führen ins Zentrum und sind nur an wenigen Punkten miteinander verbunden. Mit dem 54 km langen Ring, der Umsteigemöglichkeiten zu 17 Metro- und 10 S-Bahn-Stationen bietet, sparen die Moskoviter ab heute viel Zeit und Nerven. Denn so wird das Zentrum von allen Passagieren entlastet, die eigentlich gar nicht ins Zentrum müssen.
Volodja, alias Nikita Michalkov, schlendert in dieser Szene zwar kurz vor der Schließung um 1 Uhr nachts durch die Metrostation Universität, aber so leer wie damals ist die Metro heute selten. Der Ring wird daran nichts grundlegend ändern, aber auf jeden Fall eine Entlastung bringen. Bis zum 10. Oktober ist die Fahrt auf dem Ring übrigens kostenlos ein schönes Geburtstagsgeschenk für die Moskoviter!
Die Zärtlichkeit der Völker
Freitag, 20. Mai 2016
Das letzte Wochenende hat einmal mehr gezeigt, dass der Eurovision Song Contest inklusive gewisser Kommentatoren für die Völkerverständigung eher hinderlich ist. Das muss man jetzt also auch noch selber machen! Der osteuropäischen Musikszene gelingt das ganz gut. Hier eine kleine Auswahl von MusikerInnen, die sich von Staatsgrenzen und Sprachbarrieren nicht aufhalten lassen:
Dunkle Nacht
Montag, 9. Mai 2016
Марк Бернес (Mark Bernes): Тёмная ночь (Dunkle Nacht) 1943
Das berühmte Lied Dunkle Nacht entstand eigentlich aus einer Verlegenheit heraus: Beim Dreh des Kriegsfilms Два Бойца (Zwei Soldaten) fand Regisseur Leonid Lukov (Леонид Луков) keinen überzeugenden Übergang zu einer nächtlichen Szene Briefe schreibender Soldaten im Schützengraben. Am Ende eines langen Drehtages kam ihm schließlich die Idee, einen Soldaten ein Lied singen zu lassen, das für die passende melancholische Stimmung sorgen sollte. In einer einzigen Nacht komponierte Nikita Vogoslovsky (Никита Богословский) zuerst die Melodie, Vladimir Agatov (Владимир Агатов) schrieb dazu die Worte und Mark Bernes (Марк Бернес) sang das Lied ein. Am folgenden Tag musste Bernes, der Schauspieler und Sänger in einer Person war, vor die Kamera. Und endlich war die Szene im Kasten!
Stößchen!
Montag, 18. April 2016
Муслим Магомаев (Muslim Magomaev): Лучший город земли (Die beste Stadt der Welt) 1964
Seit zwei Jahren schon lebe ich in der besten Stadt der Welt! Ура! Ура! Ура!
Поехали!
Dienstag, 12. April 2016
Ундервуд (Undervud): Гагарин, я Вас любила (Gagarin, ich war in Sie verliebt) 2002
Am 12. April 1961 eroberte der smarte Kosmonaut Yuri Alekseyevich Gagarin erst den Weltraum und anschließend unzählige Mädchenherzen.
Wir hören: Semfira
Montag, 4. April 2016
Земфира / The Uchpochmack: Сгоревшие лампочки (Lightbulbs) 2013
Über die pressescheue Musikerin Semfira (Земфира) kursieren tausende Geschichten: über die Art ihrer Beziehung zur Schauspielerin Renata Litvinova, über ihre angebliche Affaire mit dem Milliardär Abramovich, über ihre Tätowierungen, über ihren auffälligen Gewichtsverlust. Sie macht aber auch gern Geschichten, denn ihre Konzerte gehen nie ohne Provokationen Richtung Regierung ab. Letztens mokierte sie sich über das grottige Abschneiden der russischen Biathleten. Manche lieben sie wegen diesen Geschichten, andere trotzdem. Klar ist: Semfira ist die unangefochtene Königin des russischen Rock. Auch ohne neues Album waren ihre beiden Konzerte im Moskauer Olimpiski am ersten Aprilwochenende ausverkauft das muss ihr erst mal jemand nachmachen!
Die enorme Popularität von Semfira belegt auch die Existenz eines deutschen Wikipedia-Artikels, obschon er im Vergleich zu dem russischen und dem englischen Artikel recht schmal ausfällt. Immerhin die deutsche Wikipedia interessiert sich sonst kaum für russische KünstlerInnen. Und eben weil dort schon das Wichtigste geschrieben steht, habe ich hier mehr Platz für die Musik:
Heute ist: Früüüühling!
Sonntag, 20. März 2016
Die letzten schmutzig braunen Schneereste hat der morgendliche Sonnenschein erledigt. Schnee von gestern heute beginnt schließlich der Frühling! Und damit die wilde Zeit, in der die Pollen fliegen und die Hormone tanzen. Das löst beim Menschen oft ungewöhnliche Handlungen aus.
Im Frühjahr 1959 zum Beispiel erlebte das Moskauer Konzertpublikum eine ziemlich eigentümliche musikalische Darbietung: Zu einer hirnschrumpfenden Melodie sang eine Menge Kinder das Lied einer Glucke, die ihre Nachkommenschaft umsorgt. Auf der Bühne wimmelte es nur so von Pionierhalstüchern und Kükenkostümen; die Kamera hatte Mühe, die chaotische Choreografie einzufangen. Doch der Saal tobte und so nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf: Wenn nicht durch eine der zahlreichen Interpretationen, dann ganz bestimmt durch eine Folge des beliebten Trickfilms Ну, погоди! (Nu pogodi! bzw. Hase und Wolf) kannte schließlich jedes Kind in der Sowjetunion das Lied Cücələrim (Meine kleinen Küken) des aserbaidschanischen Komponisten Qəmbər Hüseynli.
Die neuzeitliche Version der Sängerin Leyla Ramazanlı verzichtet selbstverständlich auf sowjetische Insignien. Für die Aufrechterhaltung des Trashfaktors sorgen aber ihr kesses Bienen-Outfit und der dominante computergestützte Rhythmus. Idyllische Aufnahmen aus der Massentierhaltung beschließen das Video auf eindrückliche Weise. Nun ja im Früüüühling brennen eben hin und wieder die Sicherungen durch!
Die seltsamen Tätigkeiten der Frau Winter
Mittwoch, 3. Februar 2016
Gestern hat es heftig geschneit, doch die neue, frische Schneedecke verflüchtigt sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zusehends. Die Meteorologen vermelden fast täglich Temperaturrekorde seit Aufzeichnungsbeginn. Vielleicht hilft ja musikalischer Wetter-Voodoo. Probieren wir es mit Зима (Sima: Winter), dem Lied des Jahres von 1971. Der Text war zwar schon 1956 fertig und 1968 auch die Musik, aber die entscheidenden Personen in der Kulturpolitik befanden die Reime für zu unernst und inhaltslos, das Sujet für zu dörflich. Zu guter Letzt führten personelle Veränderungen im Apparat doch noch zur Veröffentlichung des verspielten Winterliedchens.
Bekannt geworden ist Sima vor allem in der allerersten Version, die Eduard Khil (Эдуард Хиль) bei der Neujahrsshow 1971 vorstellte. Ich finde aber die Interpretation von Lola Khomyants gelungener. Khomyants nahm in ihrer Heimatstadt Tbilisi zunächst ein Maschinenbau-Studium auf. Die überaus erfolgreiche Teilnahme an mehreren Musikwettbewerben führte sie jedoch auf einen anderen Weg: Die folgenden drei Jahrzehnte sang sie bei Konstantin Orbelian (Константин Агапаронович Орбелян) im Staatlichen Estradenorchester von Armenien und war außerdem mit einem Sänger Avetyan Artashez (Арташес Аветян) verheiratet.
Lola Khomyants (Лола Хомянц) Зима
Musik: Eduard Semenovitch Hanok (Эдуард Семёнович Ханок)
Text: Sergey Grigorevich Ostrovoy (Сергей Григорьевич Островой)
Musik: Eduard Semenovitch Hanok (Эдуард Семёнович Ханок)
Text: Sergey Grigorevich Ostrovoy (Сергей Григорьевич Островой)
Den russischen Originaltext habe ich nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt:
Am Waldesrand / Lebte der Winter* in einer Hütte.
Sie salzte Schneebälle / In einer Tonne aus Birkenholz.
Sie spann Garn, / Sie webte Leinen,
Sie schmiedete Eisbrücken / Über die Flüsse.
Sie salzte Schneebälle / In einer Tonne aus Birkenholz.
Sie spann Garn, / Sie webte Leinen,
Sie schmiedete Eisbrücken / Über die Flüsse.
Refrain:
Eisdecke, / Knirschende Tür,
Hinter der rauhen Wand / Ist es stockdunkel.
Sowie du über die Schwelle trittst / Ist überall Reif.
Und in den Fenstern glimmt es / Blau-blau.
Eisdecke, / Knirschende Tür,
Hinter der rauhen Wand / Ist es stockdunkel.
Sowie du über die Schwelle trittst / Ist überall Reif.
Und in den Fenstern glimmt es / Blau-blau.
Sie ging auf die Jagd, / Polierte Silber,
Pflanzte die dünne Mondsichel / In einen Eimer aus Kristall.
Sie schneiderte den Bäumen Pelzmäntel, / Glättete die Schlitterbahn,
Und eilte dann in den Wald / Um in der Hütte auszuruhen.
Pflanzte die dünne Mondsichel / In einen Eimer aus Kristall.
Sie schneiderte den Bäumen Pelzmäntel, / Glättete die Schlitterbahn,
Und eilte dann in den Wald / Um in der Hütte auszuruhen.
Refrain
* Im Russischen ist der Winter feminin, die Personifizierung mithin eine Frau.
Schicksalhaftes zum Jahresausklang
Montag, 28. Dezember 2015
Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, die Playlists mit Wham! und Bing Crosby verschwinden endlich wieder in die hinterste Ecke der Festplatte. Zeit für unglasierte Musik!
Für den russischen Silvester-Filmklassiker Ironie des Schicksals (Ирония судьбы или С лёгким паром) vertonte Michail Tariverdiev (Микаэл Таривердиев) ein Gedicht von Vladimir Kirshon (Владимир Киршон): „Я спросил у ясеня“ (Ich hab' den Eschenbaum gefragt). Eingesungen hatte es Sergei Nikitin (Сергей Никитин).
Passend zum Filmtitel: Der stramme Stalinist Kirshon fiel 1938 dem Großen Terror zum Opfer. Nach fast 20 Jahren wurde er in der sogenannten Tauwetterphase rehabilitiert und gelangte noch einmal 20 Jahre später durch dieses kurze Gedicht erst zu größerer Bekanntheit in Russland. Seine eigentliche Arbeit als Dramaturg war nicht besonders hitverdächtig.
Der Text hier mit deutscher Übersetzung.
Wir hören: Guf
Mittwoch, 16. Dezember 2015
Гуф + Каспийский груз (GUF + Kaspisky Gruz): Все за 1$ (Alles für 1 Dollar) 2013
Die Konzerthalle ist so dunkel wie das Herz eines Drogendealers. Kaum finden wir die Treppe zur Beletage hinauf; von dort geht's etwas leichter, denn die Lichter der Bar weisen den Weg. Unten mittig erahnt man die Bühne der Künstler hat gerade um das Abblenden der Scheinwerfer gebeten. Kopfschmerzen oder Understatement? Oder einfach nur erste Zeichen von Starallüren? Schließlich übt er sich auch schon im starmäßigen Platzenlassen von Interviewterminen.
Kommt es zu einem Interview, ist GUF alias Aleksey Dolmatov (Алексей Долматов) allerdings überaus gesprächig. So lässt er beispielsweise wissen, dass es schwieriger sei, mit Gras aufzuhören, als sich scheiden zu lassen. Über diese und andere Probleme des Alltags rappen GUF und seine Kollegen und werden dafür von einem beständig wachsenden Publikum geliebt. Doch GUF hat nicht nur kluge Sprüche auf Lager, sondern bietet bei Bedarf auch tatkräftige Unterstützung an zumindest wenn es um Styling-Probleme des Haupt- und Barthaares geht. GUF steht nämlich seit April einem Frisörsalon für Herren mit angeschlossenem Tattoo-Studio vor und fügt sich damit sehr elastisch in die lange Reihe der rappenden Geschäftsmänner ein.
Alles für 1 Dollar wurde 2013 mit zwei weiteren sehr bekannten Rap-Musikern aufgenommen: Kaspisky Gruz aus Baku. Бай vom aktuellen Album Еще gibt sich dunkler, nur das Schuhwerk vom aktuellen Sponsor leuchtet unschuldig weiß.
Zum Geburtstag: 500 Stück Eskimo
Samstag, 12. Dezember 2015
Mein Lieblingskrokodil heißt Gena es arbeitet als Krokodil im Städtischen Zoo und wenn dieser am Abend schließt, nimmt es Hut und Mantel und geht nach Hause ... Die Trickfilme von Krokodil Gena und seinem Freund Cheburashka gehören zum nationalen Kulturgut; in Russland kennt jeder die Dialoge und Lieder auswendig. Die Melodien dazu stammen aus der Feder von Vladimir Yakovlevich Shainsky (Владимир Яковлевич Шаинский), der heute seinen 90. Geburtstag begeht.
Das ist ein willkommener Anlass, wieder einmal das Lied von Krokodil Gena zu hören, das sogenannte Geburtstagslied: Das introvertierte Krokodil pflegt selbst an seinem eigenen Geburtstag, der schließlich ein Freundentag sein sollte, seine melancholische Grundstimmung. Mit sehr traurigen Krokodils-Knopfaugen singt es zu einer sehr traurigen Melodie über all die schönen Dinge, die an einem Geburtstag passieren können. Doch was für ein Unglück, dass man nur an einem einzigen Tag im Jahr Geburtstag feiern kann!
500 Eskimo übrigens wünscht sich Gena in diesem Lied als Geburtstagsgeschenk. So wird in Russland pauschal mit Schokolade überzogenes Eis am Stiel genannt. Das beste gibt es im Sommer im Gorki-Park ... mmmmhhhh ...
Cheburashka und Krokodil Gena: alle vier Original-Folgen (19691983)
Originaltext mit mittelguter Übersetzung: lyricstranslate.com
Das tut doch gar nicht weh!
Freitag, 30. Oktober 2015
Es soll Leute geben, die sich das ganze Jahr über auf Halloween freuen, weil sie sich an diesem Tag ein bisschen gruseln können. So lange muss man aber gar nicht warten das russische Musikfernsehen bietet tagtäglich Gelegenheit dazu.
Klappe, die erste: Moskau als Videostar
Freitag, 17. Juli 2015
Strand, Sonnenschein, Bikinis das sind die klassischen Bestandteile eines erfolgreichen Musikvideos. Manchmal wollen Musiker aber auch eine Geschichte erzählen. Und manchmal spielt diese Geschichte in Moskau. Dann geht es um Moslift-Fahrstühle, Wassertanks und Gemeinschaftsklos. Und das ist ja wohl viel spannender!
Sommermusik
Mittwoch, 17. Juni 2015
Die Sonne findet, dass 3.44 Uhr die Nacht vorbei ist. Wir müssen uns fügen, denn wir haben keine Vorhänge. Macht nichts dann bleibt eben mehr Zeit zum Musik hören!
From Moscow with love
Samstag, 9. Mai 2015
Die großartige polnische Sängerin Anna German interpretiert DIE russische Hymne Катюша (Katjusha).
Aufgeweckt: System of a Down
Dienstag, 21. April 2015
Dass das Geld nicht mehr so locker sitzt, sieht man auch an den aktuellen Konzertankündigungen: Die Programme der großen Konzerthallen sind etwas schütter geworden, denn eine Halle mit 17.000 Zuschauern zu füllen, ist momentan ein etwas unsicheres Unterfangen. Für System of a Down jedoch ein Kinderspiel ihre Fans warten sogar bereitwillig im Schneetreiben vor dem Olimpiski in langen Schlangen auf Einlass. Das zahlenmäßig starke Sicherheitspersonal wirkt nicht nur leicht überfordert, sondern ist es ganz offensichtlich auch: Hell leuchten Fackeln vor der Bühne, freudig umtanzt von einer Gruppe besonders ausgelassener Fans. Huch!
Beim Vegi-Kebab-Essen in Tbilisi
Freitag, 20. März 2015
... erklang aufeinmal mitten im Mainstream-Pop, zwischen David Guetta und Stevie Wonder, ein Lied der georgischen Sängerin Nino Basharuli.
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