Heute, zum Internationalen Tag der Musik, möchte ich mit dem Lied Наш Сосед (Nasch sosed: Unser Nachbar) von Edyta Piecha (Эдита Пьеха) alle unsere lieben Nachbarn in Berlin und Moskau herzlich grüßen. Sehen Sie es doch mal so: Durch uns eröffnen sich Ihnen musikalische Welten, die Ihnen sonst für immer verschlossen geblieben wären! Hätten Sie sich zum Beispiel ohne unsere Anleitung jemals ein so großartiges Werk wie dieses angetan angehört? Nein? Bitte, gern geschehen.
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Zeichen und Wunder
Donnerstag, 2. Juni 2016
Es ist vollbracht! Bravo! Im Jahre 101 nach Beginn des Genozids an den Armeniern hat sich heute der Deutsche Bundestag dazu durchgerungen, eine Resolution mit dem klangvollen Titel Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916 zu verabschieden. Damit hat er den Genozid nicht nur offiziell anerkannt, sondern sogar eine deutsche Mitschuld zugegeben. Zwar ist der Zeitpunkt der Resolution ziemlich verdächtig doch auch wenn die armenische Sache für politische Spielchen herhalten musste, dann dieses Mal wenigstens zu ihrem Gunsten.
Dazu ein Interview mit dem türkischstämmigen Schriftsteller Zafer Şenocak im Deutschlandfunk: Die Leugnung dieses Verbrechens ist eine zweite Tragödie (1. Juni 2016)
Dunkle Nacht
Montag, 9. Mai 2016
Марк Бернес (Mark Bernes): Тёмная ночь (Dunkle Nacht) 1943
Das berühmte Lied Dunkle Nacht entstand eigentlich aus einer Verlegenheit heraus: Beim Dreh des Kriegsfilms Два Бойца (Zwei Soldaten) fand Regisseur Leonid Lukov (Леонид Луков) keinen überzeugenden Übergang zu einer nächtlichen Szene Briefe schreibender Soldaten im Schützengraben. Am Ende eines langen Drehtages kam ihm schließlich die Idee, einen Soldaten ein Lied singen zu lassen, das für die passende melancholische Stimmung sorgen sollte. In einer einzigen Nacht komponierte Nikita Vogoslovsky (Никита Богословский) zuerst die Melodie, Vladimir Agatov (Владимир Агатов) schrieb dazu die Worte und Mark Bernes (Марк Бернес) sang das Lied ein. Am folgenden Tag musste Bernes, der Schauspieler und Sänger in einer Person war, vor die Kamera. Und endlich war die Szene im Kasten!
Stößchen!
Montag, 18. April 2016
Муслим Магомаев (Muslim Magomaev): Лучший город земли (Die beste Stadt der Welt) 1964
Seit zwei Jahren schon lebe ich in der besten Stadt der Welt! Ура! Ура! Ура!
Поехали!
Dienstag, 12. April 2016
Ундервуд (Undervud): Гагарин, я Вас любила (Gagarin, ich war in Sie verliebt) 2002
Am 12. April 1961 eroberte der smarte Kosmonaut Yuri Alekseyevich Gagarin erst den Weltraum und anschließend unzählige Mädchenherzen.
Heute ist: Früüüühling!
Sonntag, 20. März 2016
Die letzten schmutzig braunen Schneereste hat der morgendliche Sonnenschein erledigt. Schnee von gestern heute beginnt schließlich der Frühling! Und damit die wilde Zeit, in der die Pollen fliegen und die Hormone tanzen. Das löst beim Menschen oft ungewöhnliche Handlungen aus.
Im Frühjahr 1959 zum Beispiel erlebte das Moskauer Konzertpublikum eine ziemlich eigentümliche musikalische Darbietung: Zu einer hirnschrumpfenden Melodie sang eine Menge Kinder das Lied einer Glucke, die ihre Nachkommenschaft umsorgt. Auf der Bühne wimmelte es nur so von Pionierhalstüchern und Kükenkostümen; die Kamera hatte Mühe, die chaotische Choreografie einzufangen. Doch der Saal tobte und so nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf: Wenn nicht durch eine der zahlreichen Interpretationen, dann ganz bestimmt durch eine Folge des beliebten Trickfilms Ну, погоди! (Nu pogodi! bzw. Hase und Wolf) kannte schließlich jedes Kind in der Sowjetunion das Lied Cücələrim (Meine kleinen Küken) des aserbaidschanischen Komponisten Qəmbər Hüseynli.
Die neuzeitliche Version der Sängerin Leyla Ramazanlı verzichtet selbstverständlich auf sowjetische Insignien. Für die Aufrechterhaltung des Trashfaktors sorgen aber ihr kesses Bienen-Outfit und der dominante computergestützte Rhythmus. Idyllische Aufnahmen aus der Massentierhaltung beschließen das Video auf eindrückliche Weise. Nun ja im Früüüühling brennen eben hin und wieder die Sicherungen durch!
Heute ist: Kein Wochenende
Samstag, 20. Februar 2016
Das britische Kabinett ist heute zum ersten Mal seit über 30 Jahren an einem Sonnabend zusammen getreten. So beeindruckend ist das nicht in Russland arbeiten heute alle. Zwar sind die meisten Geschäfte, Poststellen und Bürgerämter generell auch samstags und sonntags geöffnet, aber heute sind wirklich alle, zum Beispiel auch die Büroangestellten und LehrerInnen, am Arbeitsplatz. Denn heute ist ein normaler Arbeitstag. Doch der freie Sonnabend wurde nicht etwa gestrichen er wurde nur verlegt.
Jedes Jahr aufs Neue nämlich beugen sich Staatsbedienstete über den Kalender und begutachten die Verteilung der gesetzlichen Feiertage. Liegen sie an gar zu ungünstigen Stellen, muss nachjustiert werden. Wenn zum Beispiel ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, wird er am folgenden Montag quasi wiederholt. Das wäre die einfachste Variante. Es kann aber auch sein, dass der freie Tag ein paar Monate weiter rutscht und dort zwischen einem anderen Feiertag und einem Sonnabend auf dem Freitag landet.
Dieses Jahr aber ging das staatliche Kalenderspiel nicht ganz auf. Es war kein freier Tag zur Verfügung, der zwischen den 21. und den 23. Februar, dem Tag des Vaterlandsverteidigers, geschoben werden konnte. Aber ein Arbeitstag zwischen einem Wochenende und einem Feiertag? Das war den Planern offenbar ein Dorn im Auge. Also verlegten sie diesen arbeitsfreien Sonnabend an die Stelle des kommenden Montags. Damit hat nun endlich alles seine Ordnung!
Heute (Nacht) ist: Крещения Господня
Montag, 18. Januar 2016
Die russisch-orthodoxe Kirche feiert heute Nacht die Taufe des Herrn und zwar mit Ganzkörpereinsatz. Doch während Jesus von Johannes dem Täufer in den badewasserwarmen Jordan gesteckt wurde, erfordert es in Russland schon einige Willensstärke, dem Herrn nachzufolgen. Im Januar ist es hier für gewöhnlich scheußlich kalt um überhaupt ans Taufwasser zu gelangen, müssen Löcher in die zugefrorenen Seen oder Flüsse gehackt werden. Nicht umsonst wird dieser Zeitraum Tauf-Fröste (крещенские морозы) genannt. Nach dem Weihen der kreuzförmigen Löcher gilt das Wasser als heilig. Die Gläubigen bewahren es in Krügen und Flaschen abgefüllt das ganze Jahr über zu Hause auf.
Doch das ist nicht genug: In der Nacht zum 19. Januar und am darauffolgenden Tag steigen die Gläubigen selbst in das heilige Wasser unter teilweise sehr hektischem Kreuzschlagen. Doch der religiöse Ritus ist mittlerweile auch bei konfessionslosen Gesundheitsfanatikern und Adrenalinjunkies extrem populär. Dieses Jahr kann man sich an 60 Orten in Moskau einen Herzkasper holen, zum Beispiel im Park Sokolniki (Сокольники), wo bereits Sanitäranlagen, Feuerstellen und Aufwärmzelte mit kostenlosem Tee-Ausschank aufgebaut sind. Das Geschehen dort kann bequem vom warmen Sofa aus über eine Livecam mitverfolgt werden.
Zum Geburtstag: 500 Stück Eskimo
Samstag, 12. Dezember 2015
Mein Lieblingskrokodil heißt Gena es arbeitet als Krokodil im Städtischen Zoo und wenn dieser am Abend schließt, nimmt es Hut und Mantel und geht nach Hause ... Die Trickfilme von Krokodil Gena und seinem Freund Cheburashka gehören zum nationalen Kulturgut; in Russland kennt jeder die Dialoge und Lieder auswendig. Die Melodien dazu stammen aus der Feder von Vladimir Yakovlevich Shainsky (Владимир Яковлевич Шаинский), der heute seinen 90. Geburtstag begeht.
Das ist ein willkommener Anlass, wieder einmal das Lied von Krokodil Gena zu hören, das sogenannte Geburtstagslied: Das introvertierte Krokodil pflegt selbst an seinem eigenen Geburtstag, der schließlich ein Freundentag sein sollte, seine melancholische Grundstimmung. Mit sehr traurigen Krokodils-Knopfaugen singt es zu einer sehr traurigen Melodie über all die schönen Dinge, die an einem Geburtstag passieren können. Doch was für ein Unglück, dass man nur an einem einzigen Tag im Jahr Geburtstag feiern kann!
500 Eskimo übrigens wünscht sich Gena in diesem Lied als Geburtstagsgeschenk. So wird in Russland pauschal mit Schokolade überzogenes Eis am Stiel genannt. Das beste gibt es im Sommer im Gorki-Park ... mmmmhhhh ...
Cheburashka und Krokodil Gena: alle vier Original-Folgen (19691983)
Originaltext mit mittelguter Übersetzung: lyricstranslate.com
Eldar Alexandrovich Ryazanov (19272015)
Donnerstag, 3. Dezember 2015
Ушла эпоха, schreibt das Magazin Afisha am 30. November: Mit dem Tod von Eldar Alexandrovich Ryazanov (Эльдар Александрович Рязанов) geht eine Epoche zuende. Dem genialen Regisseur verdankt Russland so großartige Film-Klassiker wie Берегись автомобиля (Vorsicht Auto!, 1966), Вокзал для двоих (Bahnhof für zwei, 1982), Жестокий романс (Eine grausame Romanze, 1984) oder natürlich Ирония судьбы, или С лёгким паром! (Ironie des Schicksals).
Seit ihrer Veröffentlichung im Jahre 1975 gehört die melancholische Verwechslungskomödie unabdingbar zu jedem Neujahrsfest und wird um den Jahreswechsel herum mehrfach auf allen russischen Fernsehkanälen gezeigt. Ausgangspunkt bildet ein für damalige Verhältnisse bemerkenswert subversives Gedankenspiel: In den Neubaugebieten von Archangelsk bis Alma-Ata stehen identische Plattenbauten in gleich aussehenden Straßen, mit den immer gleichen Namen. Und in den identisch geschnittenen Wohnungen stehen überall dieselben seriell gefertigten Möbel. Da dürfte es doch nicht gleich auffallen, wenn man nach einem lustigen Banja-Besuch mit Freunden nicht in Moskau, sondern in Leningrad aufwacht. Schließlich gibt es in beiden Städten eine 3. Straße der Bauarbeiter, in der ein Haus Nr. 25 steht. Konsequent zu Ende gedacht, müssten beide Schlüssel zu beiden Wohnungen Nr. 12 passen ...
Im Andenken an Ryazanov, der heute auf dem Novodevitshi-Friedhof in Moskau beigesetzt wird, hier eine Szene aus dem Film. Nadja, gespielt von Barbara Brylska, singt das Lied Мне нравится (Mich freut's), ein vertontes Gedicht von Marina Zvetaeva (Марина Цветаева). Tatsächlich hatte es Alla Pugachova (Алла Пугачёва) eingesungen, deren Popularitätskurve nach diesem Film regelrecht durch die Decke ging.
Der gesamte Film mit englischen Untertiteln: cinema.mosfilm.ru (Button смотреть)
From Moscow with love
Samstag, 9. Mai 2015
Die großartige polnische Sängerin Anna German interpretiert DIE russische Hymne Катюша (Katjusha).
Zwischen Berlin und der Hölle
Freitag, 24. April 2015
Heute vor 100 Jahren begannen die türkischen Nationalisten, unterstützt von eigens dazu aufgerüsteten kurdischen Stammesmilizen, mit der systematischen Enteignung und Tötung ihrer armenischen Mitbürger. Bis zum Progrom von Smyrna im Jahre 1922 fielen mehr als 1,5 Mio. Armenier dem Völkermord zum Opfer. An ihrem Vermögen, ihren Häusern und Äckern bereicherten sich ihre muslimischen Nachbarn, Kirchen und Klöster wurden zerstört. Tausende Kinder und Frauen wurden zudem in türkischen oder kurdischen Haushalten verskavt bzw. verheiratet. Alle Zeugnisse armenischer Kultur im Osmanischen Reich sollten ausgelöscht werden, so als hätte dieses Volk nie existiert. In der Wissenschaft ist der Genozid an den Armeniern unbestritten nicht so in der Welt der Politik. Dieser skandalöse Zustand verlängert das Leiden der Armenier bis heute.
Das Deutsche Reich sah als Verbündeter bestenfalls teilnahmslos zu: Das Auswärtige Amt dokumentierte die Vorfälle und hielt alles sorgsam unter Verschluss. Diese Haltung hat Deutschland bis heute bewahrt: 2012 lehnte es die Bundeskanzlerin ab, die Leugnung des Genozids an den Armeniern unter Strafe zu stellen. Das Ganze ginge Deutschland nichts an und müsse zwischen Armenien und der Türkei geklärt werden. Und das, obwohl sie sonst immer darauf brennt Verantwortung in der Welt zu übernehmen. Doch Verantwortung übernimmt man nur gern, wenn etwas dabei heraus springt ...
Botschafter anderer europäischer Staaten und der USA setzten sich zwar für die Rettung der Armenier ein, vergaßen sie jedoch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ganz schnell über ihren realpolitischen Strategien. Der Genozid an den Armenieren wurde zwar von der UN als völkerrechtliches Verbrechen eingestuft, aber da man die Türkei stets irgendwie als Bündnispartner, Kriegsverbündeten, Absatzmarkt, Handelspartner oder Vermittler zu brauchen glaubt, wurde sie nie ernsthaft zur Rechenschaft gezogen. So ist es möglich, dass der türkische Staat nun schon seit 100 Jahren die Tatsache verdrängt, dass seine Fundamente auf Leichenbergen ruhen. In der Türkei ist es verboten, vom Genozid an den Armeniern zu sprechen, aber auch im Rest der Welt versucht sie unermüdlich ihre Version der Geschichte durchzusetzen. Selbst deutsche Schulen (Ohnehin steht in Deutschland der Armenozid nur in Brandenburg auf dem Lehrplan ...) und Stadttheater entkommen nicht der türkischen Zensur.
Die seit 100 Jahren widergekäuten türkischen Ausflüchte habe ich keine Lust hier wiederzugeben, in der unten verlinkten Dokumentation Aghet ein Völkermord und in der auf die Erstausstrahlung folgenden Diskussionsrunde erhalten sie genügend Raum. Nach der Ausstrahlung des Filmes sah sich die ARD ob der Anwürfe türkischer Privatpersonen und Organisationen sogar zur Veröffentlichung einer Erklärung genötigt, die den Sachverhalt bündig auf den Punkt bringt und daher für alle, die nicht in Brandenburg in die Schule gegangen sind, ein guter Einstieg ins Thema sein kann.
Weitersehen:
Aghet ein Völkermord Dokumentarfilm, Deutschland 2010, bei vimeo.com
Weiterlesen:
aghet1915.wordpress.com, www.bpb.de, arte.tv
www.tagesspiegel.de: Große Koalition will sich nicht mit Erdogan anlegen, 01.04.2015
aghet1915.wordpress.com, www.bpb.de, arte.tv
www.tagesspiegel.de: Große Koalition will sich nicht mit Erdogan anlegen, 01.04.2015
Auswahl Archivmaterial:
www.armenocide.de (Deutschland, Dänemark, Türkei), www.armenian-genocide.org (USA, England), www.armenica.org (Schweden), www.armenianfilm.org (Zeitzeugeninterviews)
www.genocide-museum.am und zoryaninstitute.org (private Sammlungen)
www.armenocide.de (Deutschland, Dänemark, Türkei), www.armenian-genocide.org (USA, England), www.armenica.org (Schweden), www.armenianfilm.org (Zeitzeugeninterviews)
www.genocide-museum.am und zoryaninstitute.org (private Sammlungen)
Neu erschienen:
Jürgen Gottschlich: Beihilfe zum Völkermord. Ch. Links Verlag, 2015
Michael Hesemann: Völkermord an den Armeniern. Herbig, 2015
Georges-Henri Ruyssen: LA QUESTIONE ARMENA. Vol. IV 1908-1925. Documenti ASV & SS.RR.SS., Ediz. Orientalia Christiana & Valore Italiano™-Lilamé™, 2015 (neuester Teil einer Edition mit Dokumenten aus den Vatikanarchiven; dazu auf Deutsch: www.katholisches.info)
Jürgen Gottschlich: Beihilfe zum Völkermord. Ch. Links Verlag, 2015
Michael Hesemann: Völkermord an den Armeniern. Herbig, 2015
Georges-Henri Ruyssen: LA QUESTIONE ARMENA. Vol. IV 1908-1925. Documenti ASV & SS.RR.SS., Ediz. Orientalia Christiana & Valore Italiano™-Lilamé™, 2015 (neuester Teil einer Edition mit Dokumenten aus den Vatikanarchiven; dazu auf Deutsch: www.katholisches.info)
Օրօր Իմ Բալաս
Donnerstag, 23. April 2015
Lusine Zakaryan: Oror im Pahlahs (Wiegenlied)
Komponist: Barsegh Kanachyan (18851967)
Komponist: Barsegh Kanachyan (18851967)
Gestern war: День защитника Отечества
Dienstag, 24. Februar 2015
Am 23. Februar 1918 besiegte die Rote Armee das Deutsche Heer bei Narva und Pskov, was mit einem Tag zu Ehren der Roten Armee bzw. später der Sowjetischen Armee und Kriegsmarine gewürdigt wurde. Seit dem Zerfall der Sowjetunion werden an diesem Tag alle Verteidiger des Vaterlandes gefeiert. Prinzipiell darf sich dabei jeder angesprochen fühlen, der einmal im Dienste des Staates eine Waffe in der Hand gehalten hat. Da sich aber der Aufenthalt in russischen Kasernen ungünstig auf die Gesundheit auswirken kann, werden heutzutage die vielfältigen Wege zur Umgehung der Wehrpflicht oft und gern genutzt.
Ungeachtet dessen weitete sich in den letzten Jahren der Kreis der Geehrten inoffiziell auf die gesamte erwachsene männliche Bevölkerung aus. Die mehr oder weniger wehrhaften Herren werden von ihren Frauen, Arbeitskollegen und Geschäftspartnern reichlich beschenkt. Süßigkeiten gehören zu den preiswerteren Gaben, was aber keinesfalls die Kreativitiät einschränkt: Diese Gebäckkugel zum Beispiel ziert ein niedlicher Panzer aus Marzipan. Die rote Zuckerschrift darüber weist ihn als T-34 aus, laut Wikipedia das einflussreichste Waffensystem seiner Zeit (also von 1940 bis 1958).
Heute ist: День святого Валентина
Samstag, 14. Februar 2015
Was wäre wohl schlimmer: Bei einem Spaziergang durch Barcelona urplötzlich von einem Typen im weißen Hasenkostüm oder von einem Typen im Blümchen-Blazer angefallen zu werden? Im wahren Leben wären beides traumatische, kaum wegzutherapierende Erfahrungen, aber im Video von Nikolai Baskov (Николай Басков) ist das moldawische Victoria's-Secret-Model Xenia Deli von den beiden abgedrehten Stalkern rundweg begeistert. Warum der Hase? Na, das Lied heißt: Hase, ich liebe dich! Зая, я люблю тебя!
Heute ist: курбан-байрам
Sonntag, 5. Oktober 2014
In diesen Tagen herrscht in Moskau Ausnahmezustand. Da die vier Moscheen bei Weitem nicht alle Gläubigen fassen, werden für das islamische Opferfest Kurban bayramı ringsum Straßen und Plätze abgesperrt. Wie das aussieht, zeigt diese Aufnahme vom letzten Jahr. Die Stadtverwaltung soll Baugenehmigungen für Moscheen eher zurückhaltend erteilen, um nicht noch mehr Muslime anzulocken.
Tataren leben seit Jahrhunderten in der Stadt, Muslime ziehen wie Angehörige anderer Religionen auch aus russischen Teil- und Nachbarrepubliken zum Studieren und Arbeiten nach Moskau. Problematisch ist dagegen der nicht abreißende Strom von minderqualifizierten Arbeitsmigranten, den sogenannten гастарбайтери (gastarbejteri), die hier unter schlechten Bedingungen und schlechter Bezahlung unpopuläre Arbeiten wie Straßen- und Kanalreinigung verrichten. Viele sind illegal ins Land gekommen, was von den Arbeitgebern weidlich ausgenutzt wird. Die haben bestimmt nichts dagegen, dass immer mehr Muslime angelockt werden.
Die Russen haben zwar das deutsche Wort Gastarbeiter direkt übernommen die Ergebnisse der jahrzehntelangen deutschen Nicht-Integrations-Politik dagegen hat man sich nicht so genau angeschaut. In der Regel sehen die Russen mit einer Mischung aus Angst und Überheblichkeit über die fremdländischen Arbeitsameisen hinweg, in Moskau kommt noch der übliche Hauptstadtdünkel gegenüber allen Zugezogenen dazu. Aber an islamischen Feiertagen werden die Moskowiter daran erinnert, dass sich 10% der Bevölkerung nicht einfach weg ignorieren lassen.
Heute ist: Der 867. Geburtstag von Moskau
Sonntag, 7. September 2014
Gratulation, altes Haus! Das eigentliche Gründungsdatum soll ja irgendwann im Frühjahr liegen, aber der 7. September wurde 1947 für die große 800-Jahrfeier aus verschiedensten politischen und wettertechnischen Gründen gewählt. Seitdem ist es bei diesem Datum geblieben und zumindest in diesem Jahr ist das genau richtig so: Die Moskowiter feiern bei bestem Spätsommerwetter. Für das ganze Wochenende hat die Stadt nämlich ein Riesenprogramm vorbereitet mit Konzerten, Filmfestivals, Sport- und Kinderveranstaltungen, Ausstellungen und фейерверки (feyerverki) Feuerwerken! ялюблюмоскву.рф + instagram.com/lgzmoscow
Heute ist: День России
Donnerstag, 12. Juni 2014
Eigentlich müsste am russischen Nationalfeiertag (Djen Rossii) die Sonne scheinen, aber die hält sich nicht an die Abmachung: Es regnet Strippen. Die meisten Moskowiter dürfte das nicht interessieren, die Stadt ist geradezu ausgestorben: Viele nutzen die vier freien Tage (Der Freitag ist ebenfalls frei, da ein Tag der Neujahrsferien hierher verlegt wurde.) für einen Kurzurlaub im Ausland, bei uns reicht's nur bis zur Datscha im Moskauer Umland. Aber das ist doch auch was!
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