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Das Gluckern der Heizung – welch lieblich Klang!

Donnerstag, 22. September 2016

Ein pragmatisch-unansehnlicher Zwiebel-Look bestehend aus T-Shirt, Pullover, Strickjacke plus Schal, Ingwertee-Infusion und zwei Wärmflaschen abwechselnd im Einsatz. So hielt ich mich während der vergangenen Tage notdürftig am Leben. Das Frieren aber hat nun ein Ende – ab heute wird auch unser Haus mit Fernwärme versorgt. Die Heizsaison begann dieses Jahr schon am 20. September; bis zum 25. sollen alle Moskauer Haushalte mit warmen Heizungen beglückt werden. Normalerweise werden die Heizkraftwerke erst im Oktober hochgefahren, doch in diesem Jahr hat uns der Altweibersommer eiskalt im Dauerregen stehen lassen. Wie wohl der Winter wird?

Lieblingsorte: Nachts im Taxi

Donnerstag, 15. September 2016

Die Wolkenkratzer der Moscow City und die Krim-Brücke bei Nacht
Der Yandex-Staumelder zeigt auf Grün, was sich positiv auf die Laune des Taxifahrers auswirkt. Ich lümmle im Fond und betrachte die effektvoll beleuchteten Bauwerke Moskaus, die ruhig an mir vorüber ziehen. Sogar die tagsüber verhassten vielspurigen Trassen entwickeln jetzt einen gewissen Charme; elegant gleitet das Auto unter der Kaskade der Straßenlaternen dahin.

Lieblingsorte: Andronikov-Kloster

Mittwoch, 14. September 2016

Das hoch über der Jausa gelegene Andronikov-Kloster (Андроников монастырь) wird aus den unterschiedlichsten Gründen besucht: Als Museum des Ikonenmalers Andrej Rubljov (Андрей Рублёв) ist es den Kunstfreunden bekannt. Gläubige entzünden in der 600 Jahre alten Klosterkirche Opferkerzen. In der Parkanlage packen Angestellte der umliegenden Büros ihre Mittagsbrote aus und Mütter mit Kinderwagen drehen hier endlose Runden. Doch zur Freude aller leben hier mehrere äußerst liebenswürdige Katzen.

Lieblingsorte: Die VIP-Zone

Dienstag, 13. September 2016

Konzertbühne der Moskauer Isvestia Hall von oben
Hier können mir keine Zwei-Meter-Typen die Sicht nehmen, weil ich ganz vorn stehe. Vielmehr: sitze. Hin und wieder – das ist abhängig vom VIP-Grad – werden Häppchen und Getränke gereicht. Das Wichtigste aber: Ich muss nirgends warten, auch nicht vor dem WC. Und dieses ist auch noch nach Konzertende ohne Nasenklammer betretbar. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Gleichheit, Brüderlichkeit und so – das ist wirklich ganz toll, VIP-Zonen aber sind viel besser!

Moskau feiert den 869.

Samstag, 10. September 2016

Никита Михалков: Я шагаю по Москве / Nikita Michalkov: Ich laufe durch Moskau
(aus dem gleichnamigen Film von 1964)
Moskau feiert heute Geburtstag – mit gewohnt viel Tamtam, aber etwas bleibt auch: Nach vierjähriger Bauzeit eröffnete heute der langersehnte S-Bahn-Ring. Den gibt es zwar schon seit über 100 Jahren, aber ab 1934 wurde er nur noch für den Güterverkehr genutzt. Ein großer Fehler! Denn das öffentliche Verkehrsnetz, speziell die Metro, ist sternförmig aufgebaut: Alle Linien führen ins Zentrum und sind nur an wenigen Punkten miteinander verbunden. Mit dem 54 km langen Ring, der Umsteigemöglichkeiten zu 17 Metro- und 10 S-Bahn-Stationen bietet, sparen die Moskoviter ab heute viel Zeit und Nerven. Denn so wird das Zentrum von allen Passagieren entlastet, die eigentlich gar nicht ins Zentrum müssen.
Volodja, alias Nikita Michalkov, schlendert in dieser Szene zwar kurz vor der Schließung um 1 Uhr nachts durch die Metrostation „Universität“, aber so leer wie damals ist die Metro heute selten. Der Ring wird daran nichts grundlegend ändern, aber auf jeden Fall eine Entlastung bringen. Bis zum 10. Oktober ist die Fahrt auf dem Ring übrigens kostenlos – ein schönes Geburtstagsgeschenk für die Moskoviter!

Unsern täglich Style gib uns heute

Montag, 5. September 2016

Brot verpackt in weißer Papiertüte mit schwarzem Aufkleber
Neulich im Supermarkt habe ich gesiegt – die Verkäuferin akzeptierte es ohne besondere Verwunderung, dass ich meine Einkäufe im mitgebrachten Stoffbeutel verstaute. Denn anders als in Deutschland werden hier an der Kasse alle Waren ungefragt sofort in mehrere Plastikbeutelchen verpackt. Das betrachtet man als selbstverständlichen Service am Kunden. Sogar Milch im Tetrapak reicht mir die Händlerin auf dem Wochenmarkt in einer Plastiktüte, die zudem henkellos ist. Die ist nämlich nicht etwa zum bequemen Tragen gedacht, sondern „zum Schutz“!
Auch beim Bäcker bekommt man Brot und Gebäck normalerweise in einer transparenten Tüte. Vor Kurzem aber eröffnete auf unserem Markt die „Kleine Bäckerei“. Erfreulicherweise benutzt sie Papiertüten! Allerdings treibt die junge Bäckersfamilie Schuravljov weniger der Wille zur Müllvermeidung an als vielmehr der zur Einhaltung des Corporate Design. Die schwarz-weiße Gestaltung der Bäckerei muss natürlich auch bei den Verpackungen durchgehalten werden – also werden die weißen Tüten mit schwarzen Logo-Aufklebern verschlossen. Eine schicke (wenngleich wenig informative) Website und eine Präsenz bei Facebook und Instagram gehören zum modernen Brötchenbacken selbstverständlich dazu.

Djannas Liebe zum Grün

Freitag, 2. September 2016

Tomatenpflanzen und Blumen auf dem Fensterbrett, огород на балконе
Unsere Nachbarin gärtnert im Treppenhaus. Unberührt von etwaigen Brandschutzbestimmungen hat sie über die Jahre ein beachtliches Dickicht auf unserem Treppenabsatz erzeugt. Wenn mal der Lift ausfallen sollte – über die Treppe kommt jedenfalls keiner nach unten. Eine besonders stark wuchernde Pflanze greift sogar schon nach dem Fahrstuhlschacht aus, was Djanna eifrig mit Rankhilfen unterstützt: Vom Handlauf der Treppe zum Fahrstuhl spannt sich jetzt ein Netz aus Bindfäden, das in wenigen Monaten vollständig begrünt sein dürfte. Die Ziertanne, die in ihrer Ecke kaum noch Licht bekommt, wächst dagegen sehr, sehr langsam. Einmal im Jahr jedoch steht sie im Mittelpunkt: Wie es sich für eine Tanne gehört, trägt sie zum Neujahrsfest Schmuck aus Silberpapier. Rings um den Stamm drapiert Djanna Plüschtiere, die der Sohn beim Auszug nicht mitnehmen wollte.
Diesen Frühsommer hat Djanna Tomatenpflanzen auf das Fensterbrett gestellt. Nach Monaten unermüdlicher Pflege sind endlich winzig kleine Kirschtomaten herangereift. Djanna ist glücklich.

Sommer in der großen Stadt

Mittwoch, 24. August 2016

Zuckerwatte essendes Mädchen mit interessierter Wespe
Womit sich die Moskoviter im Winter beschäftigen, das ist doch klar: Fellmütze tragen, Wodka trinken und Eisbaden. Doch was treiben sie im Sommer? Davon hat man im Ausland so gar keine Vorstellung. Es wird sogar angezweifelt, dass es das Thermometer überhaupt mal nennenswert über 20 Grad schafft. Die globale Klimaerwärmung jedoch sorgt auch hier für immer längere und heißere Sommer, auch wenn der diesjährige der niederschlagsreichste seit 140 Jahren ist. Was machen also die Einwohner von Moskau wenn der Asphalt glüht und die Klimaanlagen tropfen? Ich habe es heraus gefunden ...

Die Schönheit des Untergangs

Mittwoch, 17. August 2016

Pavillon in der WDNH vor dem roten Abendhimmel
„Je mehr Staub in der Luft, umso farbenfroher der Sonnenuntergang“, bemerkt mein Besuch aus Deutschland maliziös lächelnd. Manches hat eben nicht nur schlechte Seiten.

Prima Klima

Freitag, 12. August 2016

Basiliuskathedrale und Spaski-Turm im Sonnenschein
Nach dem alten russischen Volkskalender endet am 2. August der Sommer und damit die Badesaison. An diesem Tag, so glaubte man, wurde der Prophet Elias (Святой Илия) lebendig in den Himmel aufgenommen. Üblicherweise ist es ja so, dass nach dem Ableben die Seele ganz einfach nach oben steigt. Doch da Elias noch mit einem Körper beschwert war, reiste er in einer Kutsche. Sei es aus Angst oder Ungeduld – er trieb die Pferde dermaßen an, dass eines während der rasanten Fahrt durch die Wolken sein Hufeisen verlor. Es fiel auf die Erde zurück und kühlte schlagartig alle Gewässer aus.
Inzwischen scheint der Heilige Elias vorsichtiger zu fahren, denn längst zählt der August auch in Moskau noch zu den Sommermonaten. Zur Freude aller Sonnenhungrigen hat der Tag des Heiligen Elias (Ильин день) seine praktische Bedeutung eingebüßt und auch eine weitere mit diesem Tag verknüpfte Tradition ist mittlerweile fast vollständig ausgestorben: Noch vor wenigen Jahren zogen am 2. August die Fallschirmjäger (десантники) mit reichlich Spirituosen bepackt von Springbrunnen zu Springbrunnen, um den letzten Badetag des Jahres zu begehen.

Erdbeeren online

Montag, 20. Juni 2016

Karte von Moskau, in der alle Erdbeer-Verkaufsstände eingezeichnet sind
In Moskau gibt es für alles eine Website, mindestens aber eine Internet-Karte. Jetzt kann man sogar die Standpunkte der temporären Erdbeer-Verkaufsstände online recherchieren.

Back to the roots? Neues vom Gartenring

Montag, 30. Mai 2016

Der für den motorisierten Verkehr gesperrte Gartenring am Außenministerium am 29. Mai 2016
Nein, das ist nicht Moskau 1963 während der Datscha-Saison. Nein, dieses Foto habe ich gestern aufgenommen. Da liefen wir zu Fuß von der Krimbrücke zum Arbat – mitten auf dem Gartenring (Садовое кольцо), einer der Hauptverkehrsadern Moskaus! Dort, wo normalerweise ein endloser Fluss von Autos auf zwölf Spuren dahin tost, hörte man nur ab und an das Knacken einer schlecht gewarteten Fahrradkette. Ansonsten – Stille!
Von 13 bis 17 Uhr war die gesamte Strecke von fast 16 Kilometern für den motorisierten Verkehr gesperrt und im Besitz von mehr als 30.000 Fahrradfahrern (und einzelnen Fußgängern), die an der bislang größten russlandweiten Veloparade teilnahmen. An den restlichen 364 Tagen des Jahres dagegen ist es für Fahrradfahrer nicht ratsam, sich auf dem Gartenring aufzuhalten. Fußgänger haben erst recht nichts auf der bis zu 70 Meter breiten Trasse zu suchen: Bis auf einige seltene Fußgängerampeln stehen ihnen meist nicht barrierefreie Tunnel zur Verfügung, um auf die andere Straßenseite zu gelangen.
Dabei zählte der Gartenring einst zu den schönsten Straßen der Stadt. Nach dem Großen Brand von 1812 wurde die Ringstraße als grünes Band um die Innenstadt angelegt. Hier hatten reiche Moskoviter schmucke Anwesen mit ausgedehnten Gärten – daher der Name. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden erste mehretagige Häuser. In den 1930ern war es mit der Idylle dann endgültig vorbei: Die Straße wurde asphaltiert und monumentale stalinistische Wohnblöcke verdrängten Villen und Gärten. Von da an wandelte sich der Gartenring unaufhaltsam zu der heutigen stinkenden Asphalthölle, an der man besser keine Feinstaubmessgeräte aufstellt.
Jetzt soll aber alles besser werden: In den nächsten zwei Jahren wird der Gartenring einer Schönheitskur unterzogen, die die eklatanten Fehler der 1990er Jahre beheben oder zumindest abmildern soll. Diese Maßnahme ist Teil des gigantischen Stadtgestaltungs-Projektes Моя улица (Meine Straße), das in dieser Form im Reich der schwarzen Null undenkbar wäre.

Die Russen kommen!

Sonntag, 28. Februar 2016

Aber keine Panik! Wir spielen nur. Im Museum für Panzertechnik. Das entspricht zwar nicht ganz genau unserer Vorstellung von einer idealen Freizeitbeschäftigung, aber einem geschenkten Gaul ...
Den Besuch auf dem ehemaligen Militärgelände im Moskauer Umland inklusive Fahrt im BMP-1 hatte Herr K. nämlich von seiner Abteilung zum Geburtstag geschenkt bekommen. Auf diese subtile Weise ehrten sie ihren „Oberstleutnant“, der ihrer Meinung nach militärischen Drill in die Firma eingeführt hat. Insbesondere die Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz ab spätestens 10 Uhr stieß anfangs auf allgemeines Unverständnis. Solch ein Geschenk hätte ich mit je acht unbezahlten Überstunden geahndet, aber Herr K. ist da einfach zu pazifistisch.
Vorbildhaft pünktlich standen wir beide also am Dienstag vor dem Tor des Museums, das auch exakt 15.00 Uhr für unsere Besuchergruppe geöffnet wurde. Vom weißhaarigen Herrn bis zum Kleinkind war jede Altersstufe vertreten. Ob ein Panzertechnikmuseum der geeignete Aufenthaltsort für Dreijährige ist, wäre eine Überlegung wert. Für Ältere jedoch ist das Museum unbedingt lehrreich. Und diejenigen, die sich von den Tafeln mit den technischen Angaben lösen können, erahnen inmitten der groben, martialischen Kriegstechnik vielleicht sogar ein wenig vom harten Geschäft eines einfachen Soldaten. Auch wenn der moderne Krieg bequemer abläuft. Zumindest für Drohnen-Piloten. Wie auch immer, ICH jedenfalls habe gelernt, dass ein Panzerschuss viel zu laut und ein BMP-1 äußerst un­kom­for­ta­bel ist.

Für mich!

Mittwoch, 17. Februar 2016

Stimmungsaufhellend wirkten heute ein unerwartet sonniger Nachmittag, Halva und ein Frühlingssträußchen von Herrn K.

Besuch auf dem Land

Sonntag, 31. Januar 2016

Während in Moskau das Tauwasser weitläufige Seenlandschaften bildet, erstrahlt das Moskauer Umland noch im schönsten Schneeweiß. Genau das Richtige für einen Winterspaziergang.

Alles eine Frage der Perspektive

Montag, 25. Januar 2016

„Eigentlich ist der Winter doch schön“, sagt Herr K. „Wenn man aus der Kälte nach Hause kommt, dann macht man sich einen Tee und freut sich, dass man im Warmen ist.“ Recht hat er.

Heute: Pause

Samstag, 17. Oktober 2015

RED, Chuck Norris Pub, Dewar’s Powerhouse, Pub 1516, Center MARS, 16 Tons, Iszvestiya Hall
aber heute Abend drücke ich mal auf II

Der Domovoi und das Glück

Dienstag, 6. Oktober 2015

Gluckgluckgluck ... Ich halte die Flasche senkrecht, damit auch noch der allerletzte Tropfen Kwas in mein Glas rinnt. Zufrieden stelle ich die restlos geleerte Flasche auf den Tisch. „Neeeiiiin!!!“ Herr K. springt auf, schnappt sich die Flasche und stellt sie neben sich auf den Fußboden. Tadelnd schüttelt er den Kopf. Ach ja, daran hatte ich nicht gedacht: leere Flaschen auf dem Tisch – das führt unmittelbar zu ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Zumindest in Russland. Denn hier ist der Aberglaube fest im Alltag der Menschen verankert – und zwar unabhängig vom Bildungsgrad und sozialen Hintergrund.
In vielen Bräuchen hallt noch der vorchristliche Geisterglaube der alten Slawen wider. Besonders das Wohl des Hausgeistes (домовой; domovoi) musste im Auge behalten werden. In jedem Haushalt nämlich lebte so ein unsichtbarer Geist, der nicht unbedingt böse war, aber kapriziös. Schafften es die Hausbewohner, sich mit ihm gut zu stellen, war ihnen der Domovoi schon mal mit Warnungen oder Ratschlägen behilflich. Gutmütig oder gemein – ein Haushalt ohne Domovoi war nicht denkbar, bei einem Umzug musste er also irgendwie mitkommen. Einpacken konnte man das körperlose Wesen nicht, daher versuchte man ihn am Vorabend des Umzugs mit Brot und Salz in das neue Haus zu lotsen.
Eine Tradition, die auf den Domovoi-Glauben zurück geht, heißt „посидеть на дорожку“ (posidetch na doroschku): Kurz vor dem Aufbruch zu einer Reise müssen sich alle Anwesenden, also auch die Zurückbleibenden, einige Sekunden schweigend setzen. Denn nur wenn alles still ist, kann man die Reisetipps hören, die einem der Hausgeist zuflüstert. Das funktioniert tatsächlich! In der kurzen Ruhepause ist schon manchem eingefallen, dass der Reisepass noch in der Schublade liegt.
Durch eines allerdings konnte man es sich mit seinem Hausgeist auf ewig verscherzen: Dieser legte sich für gewöhnlich unter der Türschwelle zur Ruhe. Wer es wagte, ihn dort zu stören, konnte sich getrost auf langjähriges Missgeschick und schlimme Krankheiten einstellen. Daher treibt das in Deutschland so beliebte nachbarschaftliche Schwätzchen „zwischen Tür und Angel“ Russen noch immer den Angstschweiß auf die Stirn. Ebenso würde hier nie jemand auf die Idee verfallen, Besuch direkt in der Tür zu empfangen oder zu verabschieden.
Aber auch auf andere Geister sollte man Acht geben: Zum Beispiel besagt eine Regel, dass der täglich anfallende Hausmüll unter allen Umständen vor Sonnenuntergang den Weg zum Müllcontainer gefunden haben muss. Denn gute wie auch böse Geister suchen sich nach dem Einbruch der Dunkelheit eine Bleibe für die Nacht. Um seine Wohnung für die guten Geister attraktiv zu machen, sollte man den stinkigen Abfall zuvor entfernt haben. Die bösen Geister dagegen zieht Müll an – wehe, wenn der sich noch in der Wohnung befindet!
Noch ein absolutes No-Go: Hat man etwas zu Hause vergessen, darf man auf keinen Fall noch einmal zurück gehen. Logisch – Umkehren ohne das ursprüngliche Vorhaben umgesetzt zu haben macht nun mal schlechte Laune. Diese würde dann die Wohnung kontaminieren. Außerdem – hier kommen wieder die Geister ins Spiel – könnten einem die Geister seiner Ahnen auf der Türschwelle auflauern. Keine schöne Vorstellung. Doch was tun, wenn es gar nicht anders geht? Dann muss man vor dem erneuten Aufbruch unbedingt in den Spiegel sehen, das frischt die Energie- und Glücksreserven wieder auf.
Wäre noch zu klären, was es mit den leeren Flaschen auf sich hat: Dieser Brauch soll auf die in Paris stationierten Kosaken im Jahr 1814 zurück gehen und ist damit vergleichsweise jung. In den französischen Schenken war es üblich, die Rechnung nach einem Gelage anhand der leeren Flaschen auf dem Tisch zu stellen. Die schlauen Kosaken entdeckten sofort, wie sie Geld sparen konnten, und räumten die leer getrunkenen Flaschen einfach aus dem Blickfeld der Kellner unter den Tisch. Wie lange das gut ging, ist nicht überliefert. Als Ritual aber hat es bis heute überdauert.

Zu Gast: Podmoskovye

Sonntag, 27. September 2015

Einladungen ins Moskauer Umland werden immer gern entgegen genommen – zum einen entkommt man so für eine Weile der abgasgeschwängerten Luft im Moskauer Zentrum, zum anderen sind sie stets mit Essen verbunden. Mit sehr viel Essen.

Der Sommer kehrt zurück

Freitag, 25. September 2015

Der diesjährige Altweibersommer (бабье лето; babye leto) versöhnt mit den letzten, unaussprechlich miesen Wochen: Das sind die wärmsten Septembertage, die Moskau seit Beginn der Wetteraufzeichnung erlebt hat! Cafés spannen wieder ihre Sonnenschirme auf, Renterpaare drehen sich auf den Tanzdielen der Parks, Kinder in Run-DMC-Shirts kreuzen auf Skateboards über die Bürgersteige, bis spät in die Nacht sind Boulevards und Plätze voller Menschen. Moskau strahlt!