Posts mit dem Label Von А nach Б werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Von А nach Б werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Lieblingsorte: Nachts im Taxi

Donnerstag, 15. September 2016

Die Wolkenkratzer der Moscow City und die Krim-Brücke bei Nacht
Der Yandex-Staumelder zeigt auf Grün, was sich positiv auf die Laune des Taxifahrers auswirkt. Ich lümmle im Fond und betrachte die effektvoll beleuchteten Bauwerke Moskaus, die ruhig an mir vorüber ziehen. Sogar die tagsüber verhassten vielspurigen Trassen entwickeln jetzt einen gewissen Charme; elegant gleitet das Auto unter der Kaskade der Straßenlaternen dahin.

Moskau feiert den 869.

Samstag, 10. September 2016

Никита Михалков: Я шагаю по Москве / Nikita Michalkov: Ich laufe durch Moskau
(aus dem gleichnamigen Film von 1964)
Moskau feiert heute Geburtstag – mit gewohnt viel Tamtam, aber etwas bleibt auch: Nach vierjähriger Bauzeit eröffnete heute der langersehnte S-Bahn-Ring. Den gibt es zwar schon seit über 100 Jahren, aber ab 1934 wurde er nur noch für den Güterverkehr genutzt. Ein großer Fehler! Denn das öffentliche Verkehrsnetz, speziell die Metro, ist sternförmig aufgebaut: Alle Linien führen ins Zentrum und sind nur an wenigen Punkten miteinander verbunden. Mit dem 54 km langen Ring, der Umsteigemöglichkeiten zu 17 Metro- und 10 S-Bahn-Stationen bietet, sparen die Moskoviter ab heute viel Zeit und Nerven. Denn so wird das Zentrum von allen Passagieren entlastet, die eigentlich gar nicht ins Zentrum müssen.
Volodja, alias Nikita Michalkov, schlendert in dieser Szene zwar kurz vor der Schließung um 1 Uhr nachts durch die Metrostation „Universität“, aber so leer wie damals ist die Metro heute selten. Der Ring wird daran nichts grundlegend ändern, aber auf jeden Fall eine Entlastung bringen. Bis zum 10. Oktober ist die Fahrt auf dem Ring übrigens kostenlos – ein schönes Geburtstagsgeschenk für die Moskoviter!

Abends in der Metro

Mittwoch, 9. September 2015

Kurz vor Betriebsschluss hat die Moskauer Metro einen ganz besonderen Reiz. Auf den langen Rolltreppen kann man ohne jemanden anzurempeln zu alten sowjetischen Filmmelodien schunkeln. Beim Umsteigen fühlt man sich in den futuristisch anmutenden Verbindungsröhren wie ein Kosmonaut in einer unterbesetzten Raumstation. Zuweilen begegnet man auf dem Weg durch den Untergrund auch einer Putzkolonne, die hier – von der Allgemeinheit unbeachtet – ihrer gefahrvollen Arbeit nachgeht.

Unterirdisch schön

Freitag, 29. Mai 2015

Die Moskauer Metro ist kein Ponyhof. Bei einer Fahrt unter Tage werden alle Sinne aufs Höchste gefordert, bereits der Weg zum Bahnsteig über endlose Rolltreppen und Verbindungsgänge ist eine Aufgabe. Und trotzdem: Die Metro ist das wichtigste und zuverlässigste öffentliche Verkehrsmittel Moskaus. Sie funktioniert trotz der permanenten Überbelastung bis auf wenige Ausnahmen wie ein Uhrwerk: Je nach Tageszeit trifft in jeder der 196 Stationen im Abstand von 120 bis 90 Sekunden ein Zug ein. So werden im Durchschnitt täglich über 7 Millionen Fahrgäste befördert, wochentags sind es sogar über 9 Millionen.
Auf den Bahnsteigen herrscht üblicherweise großer Andrang; eine ausgiebige Würdigung der architektonisch reizvollen Stationen ist daher erst spät abends oder am Wochenende möglich. Die Moskauer Metro ist nämlich nicht nur ein unverzichtbares Verkehrsmittel sondern auch ein einzigartiges Kulturdenkmal. Wo sonst gibt es unterirdische Ballsäle, Skulpturensammlungen oder Museen, durch die permanent Züge rattern?
Baumeister Stalin nämlich hatte sich in den Kopf gesetzt, seinem geliebten Volk die prächtigste U-Bahn der Welt zu schenken. Also beauftragte er bedeutende Architekten und Künstler mit der Gestaltung der Bahnhöfe, wobei so kostbare Materialien wie Marmor, Malachit, Rodonit und sogar Edelsteine Verwendung fanden. Bevor es jedoch so weit war, mussten unter widrigsten Umständen – während des Krieges auch oft ohne Licht – die Tunnel ausgehoben werden. Da die Stationen gleichzeitig als Luftschutzbunker dienten, wurde die Arbeit während der Kriegsjahre nicht unterbrochen. Sogar Frauen mussten ran, wenn keine männlichen Arbeitskräfte zur Verfügung standen.

Das Gesetz der Straße

Dienstag, 17. März 2015

Das alte Volk der Georgier musste sich im Laufe der Zeit über 40 Mal gegen Angriffe der Mongolen, Perser, Osmanen, Iraner, Dagestaner und Choresmier zur Wehr setzen. So etwas hat natürlich Auswirkungen: Die mannhafte Todesverachtung der Georgier ist geradezu sprichwörtlich – in der Gegenwart tritt sie am deutlichsten im Straßenverkehr zu Tage. Normalerweise neigen die Georgier nicht zu übertriebener Hektik, doch sobald sie in ein Auto steigen, scheint sich ihre Uhr auf einmal schneller zu drehen. Während der Fahrt müssen daher möglichst viele Dinge nebenbei erledigt werden: Rasante Überholmanöver von gleichzeitig rauchenden und telefonierenden Fahrern sind keine Seltenheit. (Beim Blinken stößt das georgische Talent zum Multitasking allerdings an seine Grenzen.) Bei solch extravagantem Fahrstil kann schon mal was schief gehen, was dann mit einem ehrlich überraschten „Wo kommen Sie denn plötzlich her?“ kommentiert wird.
Auch beim Tanken kann verweichlichten Fremdländern schon mal der Herzschlag aussetzen: Einmal werden wir wegen der Explosionsgefahr gebeten, uns während des Tankvorgangs ein paar Meter (!) vom Auto zu entfernen. Ein anderes Mal betankt ein vor Coolness beinahe erstarrter Mann unser Auto – mit keck im Mundwinkel hängender Zigarette. Auf unsere Bitte, das Rauchen wenigstens während des Tankens zu unterlassen, legt er die brennende Kippe auf die Tanksäule. Kurz bevor sie der Wind direkt unter unser Auto weht und kurz bevor der Schrei unserer Reiseführerin den Ultraschallbereich erreicht, fängt er sie gelassen auf und trägt sie gemächlichen Schrittes in sein Wärterhäuschen.
In der Tankstelle hingen selbstverständlich mehrere Rauchverbotsschilder, doch Verbote und allgemein verbindliche Regeln scheinen die Georgier nur schwer mit ihrer freiheitlichen Natur in Einklang bringen zu können. So werden auch Ampeln, Verkehrsschilder und Zebrastreifen grundsätzlich als dekorative Verzierungen der Straße angesehen. Sollte doch einmal ein Fahrer an einer grünen Fußgängerampel halten, setzt augenblicklich das Hupkonzert der folgenden Fahrzeuge ein. Fahrbahnmarkierungen werden ebenso ignoriert, auch wenn es sich um durchgehende Linien handelt: Es fahren stets so viele Fahrzeuge nebeneinander (in eine Richtung), wie auf die Straße passen.

Von Kiew nach Moskau

Sonntag, 15. März 2015

... im Vintage-Flieger. Das Flugzeug stammt aus der Zeit, als die Menschen noch kleiner waren.

Verkehrsnetz

Mittwoch, 17. September 2014

„Verkehrsnetz“ – dieser Begriff ist hier wörtlich zu nehmen. Das System der Moskauer Metro hat man nach ein paar Wochen im Blut, aber das Busliniennetz kann sich kein Mensch merken. Dieser Plan hilft da auch nicht gerade weiter ... Dargestellt sind übrigens nur die Linien, die vom Busdepot 1 des städtischen Transportunternehmens Mosgortrans bedient werden. Mosgortrans betreibt insgesamt 19 (reine) Busdepots – und 667 Buslinien. So zumindest gibt es das Unternehmen auf seiner Website an, aber wer kann das schon nachzählen.

Häschen hüpf!

Samstag, 6. September 2014

ж/д – diese Abkürzung lässt mich stets spontan an öffentliche Sanitäranlagen denken, tatsächlich ist jedoch die Eisenbahn (желeзная дорoга) gemeint. Und als wir vergangenen Sonntag mit dem Zug zurück nach Moskau fuhren roch es auch gar nicht nach Toilette – dafür hing ein deutlicher Kneipengeruch in der Luft. Wir waren nämlich nicht die einzigen, die sich ein schönes Wochenende auf der Datscha gemacht hatten.
Der Zug war schon recht voll und bei jedem Halt drängten neue Fahrgäste in unser Abteil – die meisten schleppten Taschen voller Erntegut und gebüschartige Blumensträuße mit sich. Auch ich hatte einen großen Beutel mit Pflaumen auf dem Schoß. Die Frau rechts neben mir aber balancierte gleich mehrere Taschen auf ihren Knien und nahm daher auch einen Teil meines Sitzplatzes in Beschlag. Der Blick nach links aber war frei – zum Fenster, wo sich endlos Kiefernwälder und Wiesen abwechselten, hin und wieder unterbrochen von Siedlungen. In den meisten hielt der Zug, manchmal aber auch an einem Haltepunkt mitten im Wald. Offenbar gab es dort nichts, wonach man sie hätte benennen können, denn diese Stationen hießen einfach „95. Kilometer“ oder „73. Kilometer“ – womit die Entfernung nach Moskau gemeint ist.
Eine kleine Abwechslung boten die mobilen Händler, die den Zug unablässig auf der Suche nach Käufern für alle möglichen Kleinartikel durchsteifen. Wundpflaster, Stifte, Rätselhefte, Trinkhalme und Servietten – all das kann man bequem sitzend während einer Zugfahrt kaufen. Ein besonders geschäftstüchtiger Mann hatte sich sogar ein Mikrofon besorgt, um dem gesamten Abteil die magische Reinigungswirkung seines Schmutzradierers nahe bringen zu können. Doch er beließ es nicht bei Worten: Zur Demonstration bekritzelte er mit einem Edding die Abteiltür und radierte die Striche anschließend rückstandslos weg. Dieser Radierer könnte für den Berliner ÖPNV ganz interessant sein.
Als Nächstes aber stand kein Händler in der Tür, sondern der Kontrolleur. Schlagartig leerte sich das Abteil und endlich konnte ich meine Arme wieder in eine natürliche Stellung zu bringen. Der Kontrolleur wurde von zwei Wachmännern begleitet. Doch die wenigsten Schwarzfahrer wollen sich auf eine Konfrontation einlassen und wählen die Flucht nach vorn, also in den nächsten Wagen. An den Stationen kann man daher für gewöhnlich große Menschenmengen am Abteilfenster vorbei hechten sehen: Beim ersten Wagen angekommen, rennen sie auf dem Bahnsteig am Kontrolleur vorbei zurück zum Zugende.
Aufgrund ihres Fluchtverhaltens werden Schwarzfahrer auch „Hasen“ (Hase: заяц – saetz) genannt. In den öffentlichen Verkehrsmitteln sind daher allumfassende Verbotsschilder angebracht, auf denen rauchende und trinkende Hasen zu sehen sind. Da Schilder allein keine Wirkung haben, wurden Schranken an den Ausgängen vieler Bahnhöfe installiert, an denen jeder Fahrgast sein Billett einscannen muss, um auf die Straße entlassen zu werden. Doch damit ist das Hase-und-Wolf-Spiel nicht vorbei: Während der Fahrt konnten wir überall Schlupflöcher in den Umzäunungen der Bahnhöfe sehen. Die Hasen umgehen so die Schranken – laufen dabei aber oft über die Gleise. Das hohe Unfallrisiko wird in Kauf genommen, denn die Fahrpreise sind in den letzten Jahren rasant angestiegen. Im Vergleich zu den deutschen sind sie immernoch ausgesprochen billig, aber für viele Menschen hier offenbar zu hoch.

Einmal Hölle und zurück

Mittwoch, 13. August 2014

Nie hätte ich gedacht, dass ich mich auf einen Einkauf bei IKEA freuen würde. Doch zur Ausstattung einer temporären Wohnung ist der Laden erste Wahl. Das liegt zum einen an den Preisen, die für Möbel, bei denen man überall die Schrauben sieht, allerdings gar nicht so niedrig sind. Der unschlagbare Vorteil von IKEA ist jedoch, dass man hier zurückhaltend dekorierte Einrichtungsgegenstände kaufen kann. In Deutschland ist es schon schwierig genug, hier aber geradezu aussichtslos, auch nur einen Duschvorhang ohne niedliche Fischlein, Pferdchen oder Blümchen zu bekommen.
Wochenlang hatte ich Herrn K. in den Ohren gelegen, letzten Sonntag sind wir dann tatsächlich zu IKEA aufgebrochen. Richtig: am Sonntag. Sämtliche Geschäfte sind in Russland täglich geöffnet, die drei Moskauer IKEA-Filialen sogar bis 2 Uhr nachts. Da das Personal allerdings schon um 16 Uhr nicht besonders beweglich scheint, ist es vermutlich keine gute Idee, nachts einkaufen zu gehen. 
Die nächstgelegene IKEA-Filiale befindet sich im Mall-Komplex „Mega“, der diesen Namen vollkommen zu Recht trägt: 300.000 Quadratmeter purer Einkaufsstress, und ringsherum wird munter weiter gebaut.
Der nichtmotorisierte Besucher erreicht „Mega“ von der Metrostation aus mit dem Bus, oder – weil dieser nur in größeren Abständen verkehrt – mit der Marschrutka. Die Fahrt in solchen Kleinbussen verringert die Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Todes zu sterben um etwa 50 Prozent. Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich die Wagen in einem schlechten Wartungszustand und werden von Personen gelenkt, deren Fahrstil man als rasant bis risikofreudig bezeichnen kann.
Überhaupt schreckt Marschrutka-Fahrer gar nichts: Auf der Rückfahrt ließ unser Fahrer während der Fahrt einfach die Schiebetür offen. Ich saß direkt neben der Tür, und da es in Marschrutkas selbstverständlich keine Gurte gibt, klammerte ich mich fest an Herrn K. Der Fahrer gluckste vor Lachen, ließ sich dann aber gnädigerweise dazu herab, die Tür zu schließen. Das war richtig nett, denn jetzt musste er sie bei jedem Halt wieder öffnen und schließen. In einer Marschrutka geht es nämlich zu wie in einem Taubenschlag: Menschen, die irgendwo am Straßenrand winken, werden mitgenommen, der Ausstiegsort ist ebenso frei wählbar. Der Tarif wird dann Pi mal Daumen berechnet. Dieser ist ohnehin niedrig – meist kostet eine Strecke 30 bis 35 Rubel. Es gibt Linien, die mit den Buslinien fast identisch sind, aber auch kürzere, die zum Beispiel zwischen einer Metrostation und einer Shopping-Mall verkehren.
Trotz allem sind Marschrutkas in Moskau unverzichtbar – die Metrostationen liegen sehr weit auseinander und Busse und Straßenbahnen allein reichen nicht aus, um die Menschenmassen zu transportieren. Da bleibt nur, auf die Reaktionsschnelle des Fahrers zu hoffen und darauf, dass er die Tür zumacht.