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Lieblingsorte: Nachts im Taxi

Donnerstag, 15. September 2016

Die Wolkenkratzer der Moscow City und die Krim-Brücke bei Nacht
Der Yandex-Staumelder zeigt auf Grün, was sich positiv auf die Laune des Taxifahrers auswirkt. Ich lümmle im Fond und betrachte die effektvoll beleuchteten Bauwerke Moskaus, die ruhig an mir vorüber ziehen. Sogar die tagsüber verhassten vielspurigen Trassen entwickeln jetzt einen gewissen Charme; elegant gleitet das Auto unter der Kaskade der Straßenlaternen dahin.

Lieblingsorte: Die VIP-Zone

Dienstag, 13. September 2016

Konzertbühne der Moskauer Isvestia Hall von oben
Hier können mir keine Zwei-Meter-Typen die Sicht nehmen, weil ich ganz vorn stehe. Vielmehr: sitze. Hin und wieder – das ist abhängig vom VIP-Grad – werden Häppchen und Getränke gereicht. Das Wichtigste aber: Ich muss nirgends warten, auch nicht vor dem WC. Und dieses ist auch noch nach Konzertende ohne Nasenklammer betretbar. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Gleichheit, Brüderlichkeit und so – das ist wirklich ganz toll, VIP-Zonen aber sind viel besser!

Lieblingsorte: Morosovskij Sad

Montag, 12. September 2016

Wucherndes Blumenbeet im Morosovski-Garten
Zwischen den Gebäuden in der Podpokajevski-Gasse steht eine fensterlose Wand; der Putz bröckelt an manchen Stellen ab, von oben hangelt sich Wilder Wein herunter. Ein Gittertor gibt den Blick auf eine buckelige Treppe frei. Oben angelangt, steht man in einem winzigen, terrassenartigen Park. Frei von menschlicher Gängelung wuchert der Wilde Wein; Bäume und Büsche bilden ein undurchdringliches Dickicht. Die passende Kulisse liefern die typischen Moskauer Backsteinbauten des 19. Jahrhunderts, die sich in einem ebenso vernachlässigten Zustand befinden. Im Grün sind einzelne Menschen mit einem Buch in der Hand zu erkennen. Wie schön! Hier bleibe ich.

Lieblingsorte: Artplay, Gebäude 2, 8. Stock

Sonntag, 11. September 2016

abendlicher Panoramablick mit Stalinhochhaus und Christ-Erlöser-Kirche
Zum Stadtgeburtstag stelle ich ab heute einige meiner Lieblingsplätze im neuen Moskau vor: Das Artplay an der Jausa ist eins der neuen Design- und Kulturzentren, die in verlassenen Fabrikanlagen entstanden sind. Hier kostet ein Stuhl so viel wie eine ganze Wohnzimmereinrichtung von IKEA; die Bars und die gelegentlichen Handwerkermärkte sind da schon demokratischer. Ganz ohne Geld bekommt man von der Terrasse der obersten Büroetage einen der schönsten Panoramablicke über die Dächer von Moskau.

Die Schönheit des Untergangs

Mittwoch, 17. August 2016

Pavillon in der WDNH vor dem roten Abendhimmel
„Je mehr Staub in der Luft, umso farbenfroher der Sonnenuntergang“, bemerkt mein Besuch aus Deutschland maliziös lächelnd. Manches hat eben nicht nur schlechte Seiten.

Ab und zu ist Sommer

Samstag, 18. Juni 2016

Kirchturm und Hausfassade in der Nikolskaya in Moskau
Der Kirchturm des Männerklosters in der Nikolskaya im Schein der Abendsonne. Jetzt allerdings regnet's schon wieder ...

Die Straße der schweren Jungs

Sonntag, 10. April 2016

Detail der Fußgängerbrücke für die Arbeiter der Fabrik Serp i Molot in Moskau
Beton brutal: Die Fußgängerbrücke der Fabrik „Serp i Molot“ an der Chaussee der Enthusiasten.
Seit Jahrhunderten führt eine schnurgerade Straße von Moskau in das 190 Kilometer entfernte Vladimir. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war die Vladimirskaja Doroga (Владимирская дорога) vor allem als wichtiger Handelsweg bekannt, doch nach dem Bau des Gefängnisses in Vladimir geriet sie in Verruf. Auf diesem Weg wurden die in Moskau Verurteilten ins Gefängnis gebracht; die Vladimirskaja sollte für lange Zeit das Letzte sein, was sie von der Welt sahen. In den letzten, unruhigen Jahrzehnten des Zarenreiches fungierte das berüchtigte Zentral-Gefängnis (Владимирский централ; Vladmirskij Zentral) zudem als Zwischen- und Sammelstation für politische Häftlinge – darunter viele kommunistische Revolutionäre – auf dem Weg in die Strafkolonien in Sibirien.
Nach der Festigung ihrer Macht nahmen sich die Kommunisten relativ schnell sämtliche Straßen und Plätze mit zweifelhaften Namen vor. Auch die Vladimirskaja geriet in ihr Visier. Zwar musste sie als Weg der kommunistischen Helden in die Verbannung geehrt werden, doch der Name wurde hauptsächlich mit ganz gewöhnlichen Kriminellen in Verbindung gebracht. Seit 1919 trägt die Straße daher den erhabenen Namen „Chaussee der Enthusiasten“ (шоссе Энтузиастов). Doch sehr bald geriet der Sinn des Namens in Vergessenheit, man hielt ihn für eine der vielen leeren Propaganda-Hülsen.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion erhielten viele Straßen und Plätze wieder ihre alten Namen zurück – nicht so die Chaussee der Enthusiasten (zumindest innerhalb der Stadtgrenzen). Ohnehin hatte sie sich spätestens seit den 1980er Jahren bis zur Unkenntlichkeit verändert. Bis dahin dominierten hier die flachen, typisch russischen Holzhäuser und Wohnhäuser im Stalin-Empire das Bild. In den 1980ern aber wurde am Anfang der Straße die bereits existierende Metallverarbeitungsfabrik „Serp i Molot“ (Серп и Молот; Sichel und Hammer) auf eine Fläche von etwa 60 Hektar ausgedehnt; ringsum entstanden sehr schnell sehr hässliche Wohnblocks für die Belegschaft.
In den letzten Jahrzehnten ist aus der einstigen Landstraße eine chronisch überlastete Trasse geworden, die das Stadtzentrum mit einer ständig wachsenden Zahl von Schlafquartieren verbindet. Ihr Name hat dadurch eine weitere ironische Bedeutung hinzugewonnen: Wer tagtäglich auf der Chaussee der Enthusiasten im Dauer-Stau steht, muss ein wahrer Enthusiast sein. Oder eben abhängig beschäftigt.
Doch bald soll der Name einen positiven Klang bekommen: An der Stelle der seit Jahren leer stehenden Fabrik soll in den nächsten zehn Jahren eine prestigeträchtige Wohnanlage namens „Symbol“ entstehen. Wie die teils amöbenartig geschwungenen, teils futuristisch in den Himmel ragenden Gebäudekomplexe letztendlich wirklich aussehen werden, bleibt abzuwarten, denn jede der beteiligten Firmen (der russische Developer Donstroy, LDA design und UHA London) präsentiert etwas andere Visualisierungen. Mit Sicherheit aber – das zeigt die Erfahrung – wird es nicht ganz so viele schön grüne Bäumchen geben.

Besuch auf dem Land

Sonntag, 31. Januar 2016

Während in Moskau das Tauwasser weitläufige Seenlandschaften bildet, erstrahlt das Moskauer Umland noch im schönsten Schneeweiß. Genau das Richtige für einen Winterspaziergang.

Winter in Moskau

Freitag, 15. Januar 2016

Das Andronikov-Kloster im Schnee

Ein letzter Abend im Gorki-Park

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ohne Schnee nix los

Montag, 14. Dezember 2015

Was sind das nur für doofe Winter in der letzten Zeit? Kein Frost, kein Schnee, kein Eis. Der Winterdienst sitzt bloß rum. Ein bisschen Schnee – die magere Ausbeute vom letzten Wochenende – haben zwei Arbeiter auf dem Roten Platz zusammengekratzt. Und jetzt? Pure Langeweile.

Zu Gast: Mitten in der Mitte

Sonntag, 22. November 2015

Das Ostberliner Pendant ist schon lange abgerissen, doch im Staatlichen Kremlpalast zu Moskau tanzen noch die Puppen und steppen die Bären. Das beste Haus am Platz besticht durch großzügig-elegante Foyers im Stil der 1960er Jahre – hier zu sehen das Spiegel-Foyer im Untergeschoss – und einer zentralen Konzerthalle, die zu den größten Eurasiens gehört. In deren weichen Sesseln lassen sich auch die längsten Musikveranstaltungen ohne schlimmere Rückenschmerzen überstehen.

Moskauer Eklektizismus

Freitag, 16. Oktober 2015

Zwischen dem gigantischen Sportkomplex Olimpiski von 1980 und dem kaum weniger dominanten Bau des Russischen Folkloretheaters im typisch eigenwilligen Stil der postsowjetischen Ära quetscht sich neuerdings ein weiteres Riesenbauwerk: Die Moskauer Hauptmoschee, eine der größten Moscheen Europas, wurde im September feierlich eröffnet. Dem sehr viel kleineren Vorgängerbau aus dem Jahre 1904 wurde 2009 auf Wunsch des Rates der Muftis in Russland der Status als Denkmal entzogen, um ihn regelgerecht abreißen zu können. Drei Jahre später musste die sogenannte „tatarische Moschee“ schließlich dem Neubau weichen – trotz aller Proteste und Diskussionen.

Ein Nachmittag im Herbst

Sonntag, 4. Oktober 2015

Am Steinblumen-Brunnen in der WDNH (ВДНХ).

Der schöne Platz

Montag, 14. September 2015

Blick durch das verschlossene Auferstehungstor auf den Roten Platz und die Basiliuskathedrale.

Ärgerliche Geschichte

Freitag, 11. September 2015

Mürrisch blicken Engels und Lenin auf die glatten Plastikbeine der Mannequins im Schaufenster gegenüber. Was die beiden* auf ihre alten Tage noch ertragen müssen! Prada und Louis Vuitton – gerade mal einen Steinwurf entfernt vom ehemaligen Archiv des Institutes für Marxismus-Leninismus!
* Marx bewahrt gnädigerweise eine zerzauste Tanne vor diesem Anblick.

Abends in der Metro

Mittwoch, 9. September 2015

Kurz vor Betriebsschluss hat die Moskauer Metro einen ganz besonderen Reiz. Auf den langen Rolltreppen kann man ohne jemanden anzurempeln zu alten sowjetischen Filmmelodien schunkeln. Beim Umsteigen fühlt man sich in den futuristisch anmutenden Verbindungsröhren wie ein Kosmonaut in einer unterbesetzten Raumstation. Zuweilen begegnet man auf dem Weg durch den Untergrund auch einer Putzkolonne, die hier – von der Allgemeinheit unbeachtet – ihrer gefahrvollen Arbeit nachgeht.

Moskauer Idyll

Dienstag, 18. August 2015

Es kommt immer auf die Perspektive an: Die Blumen im Garten des Palais Romanov umrahmen malerisch das Wohnhochhaus Kotelnitscheskaja (Жилой дом на Котельнической набережной). Scheinbar ein Ort der Stille und Beschaulichkeit – die 13 Hektar große Baustelle, die zwischen Stalinhochhaus und Garten liegt, ist von hier aus nicht zu sehen.
Das Palais Romanov stand bis vor wenigen Jahren im Schatten des Hotel-Klotzes Rossija (Россия). Für das größte Hotel Europas wurde in den 1960ern ein ganzes Stadtteil geopfert; nur das Palais, der Old English Court und zwei kleine Kirchen durften als folkloristische Dekoration stehen bleiben. Seit dem Abriss des Hotels im Jahre 2005 klaffte eine gigantische Baugrube in Moskaus Mitte. Lange konnte man sich nicht darauf einigen, was mit dem exklusiven Grundstück am Rande des Roten Platzes geschehen solle. 2013 endlich wurde das Projekt an ein amerikanisches Designbüro vergeben, das sich unter anderem für den New Yorker Park High Line verantwortlich zeichnet. Nach dessen Plänen soll bis 2018 eine Philharmonie entstehen, eingebettet in eine Parkanlage mit dem Namen des verschwundenen Stadteiles: Sarjadse (Зарядье).

Наконeц-то!

Dienstag, 4. August 2015

Im letzten Monat des Sommers soll es nun endlich dauerhaft sommerlich werden. Dann werden auch die Freiluftduschen am Ufer der Moskva im Gorki Park wieder interessant.

Streicheln erlaubt

Freitag, 31. Juli 2015

Alle haben wieder einmal Angst vor dem russischen Bären. Dabei ist er doch so niedlich. Er haust auch nicht im Moskauer Kreml, sondern arbeitet in Wahrheit als Türsteher Rosja im legendären Kinderkaufhaus an der Lubjanka (Центральный Детский Магазин).