Gestalten im öffentlichen Raum

Freitag, 26. Juni 2015

Das Wort „Denkmal“ bekommt in Moskau eine ganz neue Dimension: Vor einem Denkmal stehend denke ich oft darüber nach, wie wohl die Auftragsvergabe zustande gekommen sein mag. Nur bei wenigen kann ich mir vorstellen, dass ihre besonders gelungene Gestaltung ausschlaggebend für die Zustimmung der Entscheider war. Ich meine: Ich finde es unfair, mir völlig unbekannten Menschen einfach so, mir nichts, dir nichts, schlechten Geschmack zu unterstellen. Vielleicht hatte ja der jeweilige auserwählte Künstler die schöneren Visualisierungen mit dem blaueren Himmel dabei?
Der georgische Künstler-Unternehmer Zurab Tsereteli jedenfalls muss sehr viel richtig gemacht haben: Mehrere seiner auffälligen Arbeiten sind mittlerweile Teil des Moskauer Stadtraums, allen voran das in jeder Hinsicht maßlose Denkmal zu Ehren Peter des Großen. Böse Zungen behaupten, der Künstler habe es ursprünglich als Christoph Kolumbus nach Amerika verkaufen wollen. Nachdem Tsereteli bei etlichen Staaten abgeblitzt sei, habe es ihm schließlich sein guter Bekannter Juri Lushkov abgenommen.
Und so wurde das Monument 1997 dann doch noch aufgestellt: Mitten im Moskauer Stadtzentrum an der Spitze der Insel Baltshuk. Wie so oft setzte sich Bürgermeister Lushkov dabei über den erbitterten Widerstand seiner Bürger einfach hinweg. Seitdem rangiert das 98 m hohe* und 600 t schwere Werk nicht nur ziemlich weit oben in der Liste der höchsten Statuen der Welt, es wurde in Umfragen diverser Reiseportale und Zeitungen auch mehrfach in die Top Ten der hässlichsten Denkmäler weltweit gewählt.
Mit dem Ende Lushkovs schien auch das Ende des Denkmals nahe. Doch von einer Umsetzung oder gar Verschrottung wurde nicht zuletzt wegen der gigantischen Kosten Abstand genommen und so dient es noch immer den Möwen an der Moskva als vorzüglich gelegener Landeplatz mit Kreml-Blick.
* Die Angaben reichen von 94 bis 98 m. Auf jeden Fall aber überragt es die 93 m hohe Freiheitsstatue in New York!

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