Limassol, die sonnenverwöhnte Stadt am Meer, hat schon einmal bessere Zeiten gesehen. Die garstige Betonarchitektur der glorreichen Jahrzehnte des Massentourismus hat ganz offensichtlich das Ende der angepeilten Lebensdauer erreicht. Dazwischen liegen ab und an eingesteut öffentliche sogenannte Grünanlagen, deren kahler Erdboden jedoch kaum zum Verweilen einlädt. In direkter Nachbarschaft zu den heruntergekommenen Betonschachteln stehen neue, schicke Appartementhäuser, an denen bunte SALE-Schilder kleben. Fehlende Kundschaft macht auch der Gastronomie zu schaffen: Inmitten der reihenweise geschlossenen Restaurants fallen hauptsächlich die gängigen Fastfood-Ketten ins Auge, in einer Handvoll Grill-Bars gibt es Fleisch und Bier. So sieht es in den Vierteln direkt am Meer aus.
Denn eigentlich, so behauptet unser Freund, ist Limassol die reichste Stadt Zyperns. Damit meint er, dass hier die reichsten Menschen (also gut, im Klartext: Russen) leben. Das Geld sieht man allerdings nicht. Jedenfalls nicht unten am Meer, wenn man das winzige Stadtzentrum am Hafen einmal beiseite lässt. Das Geld ist dort, wo es keine Fußgänger gibt und schwachbrüstige Autos keine Chance haben: auf den Hügeln über der Stadt. Hier schafft sich jeder Hausbesitzer seine eigene Welt, zu deren Grundausstattung mindestens ein Pool, eine Alarmanlage, ein Raumklimasystem und ein gepflegter Rasen gehören. Großflächige Fenster mit Blick auf Limassol, den Hafen und das Meer sind natürlich auch sehr begehrt. Von hier aus ist ja nicht zu sehen, wie sich da unten Krater in den Bürgersteigen bilden und die Mülltonnen überquellen. Und abends, da glitzern die Lichter der Stadt so schön.
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